Man ist, was man isst

Veröffentlicht: Februar 21, 2013 von sieleben in Gifte in Lebensmitteln, Globalisierung
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Egal, wo man derzeit hinkommt, der Pferdefleisch Skandal ist in aller Munde und deshalb kommt das Thema auch bei uns auf den Teller *haha*. Im Zuge dieser Diskussion liest man im Mainstream ständig, dass „die Verbraucher verunsichert sind“. Tja, das Ganze würde mich auch verunsichern, sofern ich denn Konsumten von Supermarktware und Tiefkühlkost wäre. Da ich das aber nicht bin und auch noch nie war, kann ich mir eigentlich nur schwerlich ein schadenfrohes Grinsen verkneifen. Denn, der „Schuldige“ hier ist doch nicht irgend ein Fleischkonzern aus Rumänien, sondern eben jener „verunsicherte Verbraucher“. Ja, richtig! Ihr seid doch selbst daran schuld. Das ist vielleicht eine Meinung, die dem Einen oder Anderen, sauer aufstößt, aber wer medikamentenverseuchte Pferdelasagne verträgt, wird auch diesen Artikel verdauen können.  Viel Spaß!

Der Pferdefleisch Skandal

Anfang des Jahres fanden britische Lebensmittelkontrolleure Pferdefleisch in Tiefkühlkost des französischen Herstellers Findus. Findus lieferte in eine Reihe europäischer Länder, wie Schweden, Frankreich und Deutschland. Im Februar gab das Unternehmen dann zu, dass in mehreren Stichproben einer Tiefkühl-Lasagne hohe Anteile von Pferdefleisch gefunden wurde, was als Rindfleisch deklariert gewesen ist. Des Weiteren fand man Medikamentenrückstände eines Dopingmittels für Pferde.
Man schob die Schuld auf eine rumänische Großschlachterei, die das Fleisch unsachgemäß beschriftet haben soll. Nach und nach tritt jetzt aber zu Tage, dass es ein flächendeckendes Problem zu sein scheint, da überall Produkte auftauchen, in denen nicht das enthalten ist, was eigentlich enthalten sein soll.  Gerade das Vorhandensein von Medikamentenrückständen gibt unmissverständlich Aufschluss über die Herkunft der Pferde. Es handelt sich dabei eben nicht um „Schlachtpferde“, also Pferde die zur Fleischherstellung gedacht sind, sondern um Tierabfälle. Schlachtpferde dürfen bestimmte Medikamente überhaupt nicht erhalten und müssen, nach medikamentöser Behandlung, Wartefristen einhalten, bevor sie geschlachtet werden können, damit die Medikamente die Tiere verlassen konnten. Der Fund von eben jenen Medikamenten deutet also in Richtung „Entsorgung von Tierkadavern“, was die ganze Sache noch deutlich unappetitlicher macht.
Verbraucherschützer“, also das staatlich-bezahlte Krisenmanagement der Lebensmittelindustrie tun derzeit gut daran,  den Verbraucher zu beruhigen und mehr Kontrollen anzukündigen. Das wahre Problem wird dabei natürlich mal wieder unter den Teppich gekehrt….!

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Skandal, Skandal!

Vielleicht erinnert sich ja noch jemand an den „BSE-Skandal“ vor ein paar Jahren. Um Kosten zu sparen und „konkurrenzfähig“ zu bleiben, verfütterte man nicht- ausreichend erhitztes Tiermehl an Rinder. Man gab also Pflanzenfressern ihre eigenen Artgenossen (uns so ziemlich alle anderen Tiere) zu fressen. Dieser Kannibalismus führte dann zum „Rinderwahn“, der wiederum beim Menschen zu Creutzfeld-Jakob führen kann.  Alleine die Tatsache, Rinder mit gemahlenen Tierabfällen zu füttern, zeigt doch schon die Perversität dieses Systems und ist an sich Skandal genug. Dass dies nicht wirklich gesund sein kann und unter Umständen zu unerwünschten Nebeneffekten führen könnte, ist ja nicht unbedingt schwer nachvollziehbar. Man hat sich hier gegen die Natur versündigt und diese straft selbstverständlich solche Abartigkeiten.

Auch damals war der Verbraucher total „verunsichert“, aber die große Konsequenz, nämlich ein Umdenken in Lebensmittelproduktion, Vermarktung und letztlich dem Konsum, blieb aus. Nachdem die Bilder der zitterten BSE-Rinder von der Mattscheibe verschwunden waren, verschwand auch die „Verunsicherung“ beim Verbraucher. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Dabei war der BSE-Skandal, genauso wie sein Cousin, der „Gammelfleischskandal“ in 2005 und der heutige „Pferdefleischskandal“  eine absolut logische Konsequenz aus dem derzeitigen Wirtschaftssystem, in dem wir ja alle so florieren. Angebot und Nachfrage sind letztlich die Motoren unseres Systems. Wer nun ein Produkt günstiger anbieten kann, als sein Konkurrent, der hat einen strategischen Vorteil, der auf lange Sicht über Erfolg und Nicht-Erfolg entscheiden. Wie nun dieser geringe Preis zustande kommt, ist letztlich Sache des Herstellers. Und genau dort liegt das Problem. Der Hersteller ist in erster Linie Egoist, der daran interessiert ist seinen Betrieb konkurrenzfähig zu halten und den Gewinn zu maximieren. Sein direkter Konkurrent folgt diesem Beispiel natürlich. So entsteht ein System, in dem, wie Liberale immer wieder behaupten, Innovationen und Unternehmergeist entstehen, aber auch kriminelle, verantwortungslose, fahrlässige und gefährliche Handlungen, die frei von jeglicher Moral und Anstand sind. Solche Skandale sind eben nicht irgend welche Artefakte dubioser Einzeltäter, sondern haben einen systemischen Ursprung, der eben im Wirtschaftssystem zu suchen ist. Es sind also nicht „Verfehlungen Einzelner“, wie uns die Medien und die Public Relations Abteilungen der betreffenden Firmen weiß machen will, sondern logische Tendenzen des marktwirtschaftlichen Umfeldes.

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In riesigen Mastbetrieben werden Unmengen an Tieren herangezüchtet. Um die Mastzeit dieser Tiere zu verkürzen, werden sie mit energiereichstem Futtermittel zugepumpt. In einigen Ländern kommen auch Steroide zum Einsatz, um mehr Muskelfleisch aufs Tier zu bekommen. Da hier auch Zeit Geld ist, versucht man die Spanne zwischen Geburt und Schlachtung so gering zu möglich zu halten. Auf engstem Raum werden diese Tiere nun gehalten, damit man eben so viele wie möglich in einer Anlage hochmästen kann. Diese unnatürliche Haltung führt wiederum zu Krankheiten, die wiederum mit Antibiotika und Medikamenten bekämpft werden müssen. Die Gefahr dabei ist nicht nur eine Verseuchung der Tiere mit Medikamenten, sondern auch die Enstehung multiresistenter Erreger, die durch herkömmliche Antibiotika nicht mehr bekämpft werden können. So züchten wir uns den Zombievirus quasi selbst heran. Guten Appetit.

Du bist schuld

Wo liegt nun letztlich die Schuld? Für meine Begriffe ganz klar beim Verbraucher. Wir erinnern uns, „Angebot und Nachfrage“ sind die Triebfedern des Systems. Der Verbraucher will billiges Fleisch, als liefern die Hersteller eben jenes. Dabei scheint es den meisten Verbrauchern völlig egal zu sein, wie die Herstellung von statten geht, solange man ein paar Cent aufs Kilo sparen kann. Gerade wir Deutschen sollten uns schämen ein Volk von Pfennigfuchern zu sein, wenn es um Nahrungsmittel geht. Lediglich rund 11% ihres Monatseinkommens geben Deutsche durchschnittlich für Nahrungsmittel aus. Im EU-Vergleich liegen wir damit im unteren Drittel. Gleichzeitig ist das Lohnniveau in Deutschland relativ hoch. Das heisst also, dass wir nicht nur anteilig, sondern auch absolut wenig für Lebensmittel ausgeben. Die Gründe hierfür sind nun einmal das niedrige Preisniveau der Nahrungsmittel in Deutschland. Letztlich muss man sich aber immer vor Augen führen, dass irgend jemand den Preis für diese Produkte bezahlen müssen. Wenn der Verbraucher dazu nicht bereit ist, muss irgend wo sonst gespart werden. So konnte sich im letzten Jahrzehnt eine Billigfleisch- Industrie etablieren, in der eben Pferdefleischskandale, Vogelgrippe, BSE, Gammelfleisch usw. natürliche Beiprodukte sind. Wer lediglich einen Euro und paar zerquetschte für ein Qualitätsprodukt ausgeben möchte, muss sich einfach im Klaren sein, dass irgend wo, irgend wer oder irgend was den Preis dafür bezahlen muss. Offensichtlich ist der Konsument nicht bereit dazu, also gibt der Unternehmer, der ebenfalls „den Preis“ nicht zahlen möchte die Verantwortung weiter. Manchmal sind es Angestellte, die unter schlechten Bedingungen malochen müssen und manchmal sind es die Tiere, die in Mastbetrieben gequält werden, bis ihr Tag gekommen ist.

Der Verbraucher hat dabei das Bewusstsein für das Produkt Fleisch verloren. Er sieht nicht mehr das Tier, welches sein Leben gelassen hat und das handwerkliche Können, das genutzt wird, um aus einem toten Tier ein wohlschmeckendes Endprodukt zu fertigen. Tierzucht und das Metzgerhandwerk sind letztlich Mittler zwischen Tier und Endverbraucher, so makaber sich das auch anhört. Verliert der Endverbraucher den Kontakt zu diesen Mittlern verschwindet auch der Kontakt zum Tier.

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In den letzten Jahren verschwinden aber immer mehr Metzgereien, in denen qualitativ hochwertige und lokal produzierte Fleischwaren angeboten werden. Die traditionelle Warenkette, die vom lokalen Bauern ausgeht, zum Metzger vor Ort führt und letztlich beim Verbraucher endet, ist durch die Konkurrenz der Discounter und Supermärkte aufgebrochen worden.
Während immer mehr Metzgereien verschwinden und Regionen hinterlassen, in denen anständiges Metzgerhandwerk überhaupt nicht mehr zur Verfügung steht, sprießen Supermärkte wie Pilze aus dem Boden. Durch die riesigen Vertriebsmöglichkeiten können die Supermärkte Fleisch- und Wurstprodukte natürlich günstiger anbieten, als lokale Metzgereien. Allerdings werden diese Produkte industriell hergestellt und können sich häufig in Qualität und Geschmack nicht mit lokalen Metzgereien messen. Hohe Fettanteile in Wurstprodukten, Beimischung von Traubenzucker, Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel, die beigefügt werden müssen, ergeben den qualitativen Unterschied. Auf solche Zusätze kann der Metzger natürlich verzichten, da seine Produkte frisch verkauft werden und keinen langen Anlieferwegen ausgesetzt ist.

Dass immer mehr Metzgereien verschwinden, hat natürlich auch Nachteile auf dem Arbeitsmarkt. Je zentralisierter eine Produktion wird, wie im Falle von Fleischfabriken, desto weniger Arbeitskraft wird benötigt. Das sind ganz normale Tendenzen marktwirtschaftlicher Produktionsprozesse: Zentralisierung und Industrialisierung führt dazu, dass Arbeitsprozesse in kleinst mögliche Teilprozesse aufgebrochen und intensiviert werden. Das bedeutet, dass jeder dieser Teilprozesse von wenigen Arbeitern übernommen werden. Durch diese Spezialisierung sinkt die benötigte Gesamtarbeitszeit, um ein Produkt zu fertigen. Das fertige Produkt wird dann abgepackt, verladen und an die Supermarktketten geliefert. Dort wird es in Regale oder Auslagetheken gepackt und dem Kunden angeboten.

Durch dieses Aufgliedern und Zentralisierung der Arbeitsprozesse benötigt man natürlich deutlich weniger Arbeitskräfte, als im traditionellen Handwerk. Eine Fleischfabrik hat einen immens hohen Output an Waren, der mit vergleichbar wenigen Arbeitern erreicht werden kann. Damit verdrängen sie also kleine Metzgereien, da diese preislich nicht mehr konkurrieren können und vernichten Arbeitsplätze, indem sie die Masse an frei-gewordenem Personal nicht aufnehmen können. Denn die Belegschaft in vielen Fleischfabriken besteht zu einem sehr großen Teil aus osteuropäischen Lohnsklaven, die für beträchtlich weniger Geld arbeiten, als eine in Deutschland ausgebildete Fachkraft.  Diese Informationen habe ich übrigends aus erster Hand, da der Vater einer sehr guten Freundin von mir eine solche Fleisch- und Wurstfabrik besitzt. Es ist also keine „Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“- Propaganda, sondern wiederum eine logische Konsequenz unseres Wirtschaftssystems, das Unternehmer dazu bringt Produktionskosten zu senken, um „konkurrenzfähig“ zu bleiben. Dafür bieten sich dann natürlich Billiglohnsklaven an, die angesichts der Aufgliedern der Arbeitsschritte in der Industrie über gar keine tiefgreifende Qualifikation im Bereich Wurst- und Fleischproduktion verfügen müssen.

Dieses Argument mag für den Einen oder Anderen vielleicht nicht ins Gewicht fallen, zeigt aber umso mehr den Fehler des Konsumdenkens. Fällt lokale Produktion von Wurst –und Fleischwaren weg, weil Metzgereien nicht mehr gegen Supermärkte konkurrieren können, so fallen eben auch diese Arbeitsplätze weg. Weniger Arbeitsplätze bedeutet weniger Kaufkraft bei den insolvent gegangen Betrieben und Angestellten.
Gleichzeitig entstehen Märkte, die von einem oder wenigen Herstellern und Vertreibern dominiert werden. Der Hersteller, bzw. die Verkaufsmärkte, in diesem Fall die Discounter, geben dann Qualität und Preis vor. Dabei ist es ihnen dann, mehr oder weniger, möglich beide Faktoren beliebig zu bestimmen, da es ja sowieso keine Konkurrenz mehr gibt, die ihnen Kunden streitig machen könnte.

Fazit

Letztlich muss man sich, als Konsument und Kunde, vor Augen führen, dass Fleisch nicht irgendein abstraktes Produkt ist, das man ohne tiefergehende Evaluation kaufen sollte. Das Fleisch kommt letztlich von Tieren, also Lebewesen, die meiner Meinung nach Respekt verdient haben. Tiermastbetriebe, industrielle Schlachtung und Weiterverarbeitung und Massenware sind Themen über die sich der Fleischkonsument Gedanken machen sollte. Wer mit den Bildern von erbärmlichen Verhältnissen in Tiermasten, Tiertransporten durch halb Europa und maschinisierten, fließbandartigen Tötungsfabriken zurecht kommt, der sollte vielleicht mal seinen moralischen Kompas überprüfen. Fleisch ist keine Massenware, die man sich blind in den Einkaufskorb packen sollte. Wer beim Fleischkauf lediglich auf den Preis achtet oder es im Supermarkt mitnimmt, weil der Weg zum Metzger zu lang ist, der macht sich an diesem ganzen Unrecht mitschuldig. Der Konsument hat letztlich die Macht zu bestimmen, welches Produkt er unterstützen will. Lokal gefertigte Qualitätsprodukte vom heimischen Metzger, der Ansprechpartner für Fragen ist und für sein Produkt mit seinem Namen einsteht…. oder industrielle Massenware?

Welche Folgen diese Industrie hat, kann man an den „Skandalen“ des letzten Jahrzehntes sehen. Dabei muss sich der Verbraucher im Klaren sein, dass dies mal die Fälle gewesen sind, in denen überhaupt ans Tageslicht kam, was so in den Fleischfabriken zusammengeschustert wurde. Wer weiß, wie hoch die Dunkelziffern sind? Also macht euch Gedanken über euren Konsum, denn die Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen.

Zum Weiterlesen:

Sie Leben Artikel zum Thema „Gifte in Lebensmitteln“.

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