Und täglich lügt das Murmeltier

Veröffentlicht: November 30, 2012 von sieleben in Massenmedien

Als Kind schon war mir klar, dass Menschen von Natur aus lügen. Sie belügen Fremde, ihre eigene Familie und letztlich häufig auch sich selbst. Deshalb sollte es nicht verwundern, dass die Medien ebenfalls lügen. Generell gehe ich mittlerweile mit der Ansicht an die Medien, dass „alles außer dem Wetter Propaganda ist“. Und genau so sieht es doch aus.

Egal, ob in Filmen, Serien oder eben den Nachrichten werden uns bestimmte Sichtweisen dargestellt. Die Objektivität lässt häufig zu wünschen übrig und man hat den Eindruck, als würde ein Schreiberling vom anderen abkupfern. So braucht man nämlich prinzipiell nur eine Zeitung zu lesen, oder eine Nachrichtensendung anzuschauen (Ok, die „RTL2 Aktionnews“ mal außen vor gelassen), um die immer gleichen Desinformationen zu bekommen.

Was dabei wirklich erschreckend ist, ist die Unfähigkeit, mit der die „Journalisten“ heutzutage ans Werk gehen.  Dazu ist mir gestern ein Beispiel ins Auge gesprungen, dass vielleicht im Vergleich zum Rest der Themen hier auf der Seite unwichtig erscheinen mag, aber dennoch das Unvermögen der  Medienlandschaft aufzeigt.

Das „Guinessbuch der Weltrekorde“  ist eine Ansammlung von extremen Leistungen, Kuriositäten und spektakulären Ereignissen. So findet man in dem Buch traditionelle Rekorde, wie den „Ältesten Erdenbürger“, oder „den größten Mann der Welt“, aber auch neumodische Bestleistungen, wie „die meisten Likes eines Facebook Posts“.
Das Guinessbuch erscheint jährlich in der Weihnachtszeit. Wahrscheinlich erhofft man sich das Weihnachtsgeschäft mitzunehmen und die Not ideenloser Last-Minute Schenker bedienen zu können.  Darum zieht die „Guiness World Record Corperation“ jährlich eine Werbekampagne auf, um das Buch zu promoten.

Der diesjährige Aufhänger des Weltrekordbuches ist Mustafa Ismail, „der Mann mit dem größten Bizeps der Welt“.  Stolze 63,5cm beträgt der Oberarm des Mannes, den er zu gern zur Schau stellt.  Dabei ist die Berichterstattung über diesen Mann völlig gleichgeschaltet. Egal, ob Hamburger Abendblatt oder BILD, welt-online oder die britische Presse, überall ließt und hört man die gleichen Phrasen und Aussagen:
Als „Real Life Popeye“ und „Bodybuilder“ wird er gehandelt, der mit seinen Armen „bis zu 500kg stemmen“ könnte. Um welche Übung es sich dabei handeln soll, wird aber nirgends erwähnt. Nun soll er nach Kalifornien gezogen sein, da dort die Bodybuilding Infrastruktur besser sei und er weiter an seinem Körper arbeiten wolle.

Nun fragt sich sicherlich der Eine oder Andere, was daran nun daran so wichtig sei, dass es einen Eintrag in diesem Blog verdiene.  Nun, keiner der Dutzenden Artikel, die ich durchgelesen habe, erwähnt auch nur mit einem Wort, wie der gute Mann an seinen Bizeps gekommen ist! Jeder Artikel impliziert, dass es sich dabei um einen „Bodybuilder“ handelt, der nun mal seinen Oberarm stark trainiert hat und er deshalb so aussähe. Natürlich denkt man bei Bodybuildern direkt an Steroide, die nun mal für Viele Teil des Sportes sind. Ob nun der „Weltrekordhalter“ Steroide konsumiert, oder nicht, kann ich natürlich nicht sagen. Allerdings kann ich mit hundertprozentiger Gewissheit sagen, dass dieser Oberarm keinem „harten Training“ entspringt, sondern der Injektion eines gewebevergrößernden Öles. „Synthol“ ist das Zauberwort.  Synthol wurde Anfang der 90er entwickelt und ist ein buntes Gemisch verschiedener Öle. Es wird direkt in den Muskel injiziert und verkapselt dort.  Die Verkapselung führt dazu, dass der Muskel optisch größer erscheint, führt aber zu keinerlei Kraftanstieg. Dabei ist der Einsatz des Öles sehr gefährlich, da es den Körper vergiftet und zu schlimmen Infektionen führen kann. Der Beweis dafür ist der ehemalige Bodybuilder Greg Valentino, der mit einem schockierenden YouTube Video zeigte, welche Folgen der Synthol Gebrauch haben kann.  Nachdem sich sein Bizeps auf Grund des Synthols entzündete, versuchte er im heimischen Bad die Bescherung mit einer Spritze aus dem Arm zu ziehen. 20 Minuten lang läuft ihm Eiter, Öl und andere Körperflüssigkeiten aus dem Arm. Er wurde bekannt zu dem Mann „dessen Arm explodierte“.

Woran erkennt man nun Synthol Nutzer? Im Grunde ist es ganz einfach. Der Körper wächst proportional. Selbst Profi-Bodybuilder, die sich mit Unmengen an Steroide und Wachstumshormonen dopen, wachsen gleichmäßig. Man kann sich weder auf natürlichem, noch auf Doping-unterstützte Weise ein Körperteil so stark vergrößern. Zum Vergleich, hier mal den Mann mit dem tatsächlich größten Bizeps, Zhak Khan. An diesem Bild sieht man ganz deutlich, dass man auch mit Steroiden, einen massiven Körper erlangen muss, damit die Arme auch nur annähernd so groß werden können. Zhak Khans Oberarm  ist übrigens in seiner Bestzeit ebenfalls 63,5cm dick. Aber an der Konsistenz der Haut, der Form und vor allem des Restkörpers sieht man eindeutig, bei wem es sich um Muskeln handelt und bei wem eben nicht.

zhakkane

Profi BBler Zhak Kane

Nun, diese Tatsache hätte doch jeder Redakteur einer Zeitung oder Nachrichtenmagazins herausfinden können.  Es bedarf lediglich einer Minute Suche, um auf zig Artikel diverser Bodybuilding Magazine zu stoßen, die den Synthol Gebrauch erkannt haben. Auch das Guinessbuch der Weltrekorde muss doch hier im Stande sein einen Rekord so weit zu überprüfen, dass nicht solch ein Rekord anerkannt wird. Aber so was fand offensichtlich nicht statt. Es wurde von dem Guinessbuch in seiner Pressemitteilung so veröffentlicht und die Medien übernehmen die Informationen kritiklos; benutzen gar die gleichen Phrasen und das weltweit.

Wie kann man einer Medienlandschaft vertrauen, die nicht mal in der Lage ist solche unbedeutenden, unwichtigen und überaus leicht zu durchschauenden Geschichten kritisch zu betrachten? Wie kann man Medien im Bezug auf gewichtige Themen, wie Iran-Krise, NSU-Terrorzellen, Syrienkonflikt oder EU-Pleite denn Glauben schenken, wenn sie nicht mal in der Lage sind, die Wahrheit über den „Real-Life Popeye“ herauszufinden?

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